Schulpolitik und Lehrerbildung

Positionsbestimmung des BDK zur Ausbildung von Seiteneinsteigern / Quereinsteigern für den Regelunterricht an allgemeinbildenden Schulen

 

Die Länder sind in der schulischen Bildung verantwortlich für die künstlerischen Fächer.
An den Hochschulen werden die künftigen Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer ausgebildet.
Die künstlerischen Schulfächer verlangen als Teil der Allgemeinbildung eine entsprechende Ausbildung der Lehrkräfte mit spezifisch künstlerischen und kunstpädagogischen Inhalten, damit Bild
und Gestaltungskompetenz altersgerecht in einer didaktischen Struktur schrittweise erarbeitet, eingeübt und in der gezielten persönlichen Anwendung erfahren werden können.

Bundesweit werden aber Seiten bzw. Quereinsteiger für den Regelunterricht im Fach Bildende Kunst eingestellt. Mit Blick auf die verschiedenen Qualifizierungsmodelle in den einzelnen Bundesländern ist festzustellen, dass diese dem Niveau der regulären Ausbildungsstandards bei Weitem nicht entsprechen. Sie unterlaufen die Anforderungen, die in den staatlichen Studien, Ausbildungs und Prüfungsordnungen als verbindlich festgelegt und demokratisch legitimiert sind. Diese setzen eine jeweils eigenständige fachliche und pädagogische Kompetenz und Professionalisierung durch ein Fachstudium und Referendariat voraus.

Seiteneinsteiger zeigen unterschiedlichste Defizite, zum Beispiel in der bildnerischgestalterischen, fachwissenschaftlichen oder methodischdidaktischen Qualität.

Die Ministerien und Schulbehörden haben die Verantwortung und den Auftrag einen gesamtcurricular strukturierten qualifizierten Kunstunterricht für alle Schülerinnen und Schüler flächendeckend sicherzustellen und mit der Auslastung aller Kapazitäten an den Hochschulen und Schulen dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend akademisch und universitär ausgebildete Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen zur Verfügung stehen.

Der BDK Fachverband für Kunstpädagogik e.V. fordert von den politisch Verantwortlichen und den nachgeordneten Behörden ihrer unmittelbaren Verantwortung gerecht zu werden.

Herbstreffen 2016 des BDK e.V.

 

 

 

 

 

Schweriner Erklärung des AfS, VDS, BDK und BV.TS zur Einrichtung eines „Lernbereichs Künste“ in der Stundentafel allgemein bildender Schulen

– anlässlich eines gemeinsamen Treffens beim Wettbewerb „Schultheater der Länder“ in Schwerin am 20.09.2013 –

I
Die künstlerischen Schulfächer Kunst, Musik und Theater erschließen Begabungspotenziale, tragen zur ästhetischen „Alphabetisierung“ bei und ermöglichen kulturelle Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler. Sie wirken identitätsbildend und bieten ideale Ansatzpunkte für eine Öffnung von Schule und zur Entwicklung von Schulkultur. Die Bildungspotenziale der Künste haben aber auch ihren Eigenwert, finden ihren Sinn in den Künsten selbst, vor und jenseits all dieser Transfer- und Sekundäreffekte.

II
Der Status als einzelne Fächer mit eigenen Fach- und Jahrgangsprofilen sowie konsekutiv aufbauenden Curricula muss in jedem Fall erhalten bleiben. Die Rezeption und Produktion der ästhetischen (Welt-)Zugänge sind in den Künsten verschieden. Sie setzen eine jeweils eigenständige fachliche und pädagogische Kompetenz und Professionalisierung durch ein Fachstudium und Referendariat voraus.
Soweit sich Schulen über Fächer organisieren, werden Bestrebungen abgelehnt, die Künste in einem gemeinsamen Kultur-Fach oder in einem Lernbereich aufgehen zu lassen, um die einzelnen Fächer zu ersetzen. Es kann keine inhaltlichen Argumente geben, die solche Bestrebungen bzw. curriculare Vorgaben für den ästhetisch-expressiven Bereich rechtfertigen würden, nicht aber auch für den naturwissenschaftlichen, sprachlichen oder historisch-gesellschaftlichen Bereich.

III
Wie für alle anderen Fächer auch, ist es Aufgabe der künstlerischen Fächer, sich zu öffnen: für neue künstlerische Entwicklungen, für weitere Kunstformen sowie für ergänzende inner- und außerschulische Kooperationen. Den Projektgedanken eines „Lernbereichs Künste“ halten wir als Methode periodisch für möglich, sofern solche „Projekte“ die wöchentlichen Fachunterrichtsstunden nicht ersetzen und sich auf die jeweiligen Rahmenpläne beziehen. Aus Erfahrung sehen wir darüber hinaus große Schwierigkeiten bei der regelmäßigen Umsetzung von Projektphasen unter Beteiligung mehrerer Fächer. In der Praxis ist es unter den gegebenen Rahmenbedingungen leider so gut wie unmöglich, die Unterrichtszeiten von zwei bzw. drei Fachkolleg/-innen auch nur für zwei Unterrichtstunden in einem Fach zu koppeln, selbst wenn sie an der Schule vorhanden wären – wovon angesichts des Fachkräftemangels gerade in den künstlerischen Fächern an vielen Schulen nicht ausgegangen werden kann.

IV
Wir sehen einen „Lernbereich Künste“ daher im besten Falle als ein zusätzliches Unterrichtsangebot, das eine Möglichkeit bieten könnte, den Schülerinnen und Schülern aus den verschiedenen Fachansichten ein bestimmtes Thema in Ergänzung zum regulären Fachunterricht erfahrbar zu machen und so curricular abgestimmte Inhalte gegebenenfalls weiter zu vertiefen. Dazu müssten allerdings 
die Fach-Curricula aller beteiligten Fächer und die Unterrichtsplanungen aller beteiligten Kolleginnen und Kollegen an der betreffenden Schule untereinander abgestimmt werden. Dies bedeutete einen erheblichen zusätzlichen Organisations- und Zeitaufwand, der stets zu berücksichtigen wäre.

V
Auch Projekte und Kooperationen mit außerschulischen Partnern aus dem Sektor der Kulturellen Bildung sind nicht unwichtig, können aber ebenso wenig den grundständigen Unterricht in den künstlerischen Disziplinen ersetzen. Ein Verzicht auf Teamarbeit bzw. der Ersatz von Fachlehrer/-innen durch außerschulische Kräfte ist ebenso entschieden abzulehnen, weil sie dem kooperativen Charakter dieser Unterrichtsform entgegensteht.

VI
Gleichzeitig stehen die künstlerischen Schulfächer vor weiteren Herausforderungen: Mit Blick auf die bildungspolitischen Zerreißproben und auf die Qualität des künstlerischen Fachunterrichts ist die kontinuierliche Klärung didaktischer Dimensionen und Zielvorstellungen, aber auch ein nicht allein kompetenzorientierter Bildungsbegriff notwendig. Es gilt, künstlerische Entwicklungen (auch in den Nachbardisziplinen) zu beachten und aufzunehmen, einen weiten Bildungs- und Kulturbegriff sicherzustellen, sich für neue Praxen und Projekte zu öffnen sowie Inhalte und Methoden zu erweitern. Hier sind im Besonderen auch die Bildung und die Fortbildung von Lehrer/-innen gefragt, die gegenwärtig allerdings eher geschmälert als intensiviert werden.

 

(Arbeitskreis für Schulmusik e.V., Verband Deutscher Schulmusiker e.V., BDK Fachverband für Kunstpädagogik e.V., Bundesverband Theater in Schulen e.V.)

 

 

Brief an Ministerin Münch

„Wir brauchen ausreichend Studierende, denn die Demografie macht nicht Halt und der Berlin-Effekt allein kann auch nicht tragen.“ Mittwoch, 9.3.2016, S. 21 PNN

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Martina Münch,

 

erlauben Sie mir, mit Ihren Worten diesen Brief zu beginnen. Sie sprechen mir und unserem Fachverband der Kunstpädagogen aus dem Herzen, thematisieren Sie doch einen Missstand, der dringend behoben werden muss: Die mangelhafte Situation der Ausbildung von Kunstlehrenden im Land Brandenburg.

 

Das Fach Kunst wird derzeit nur noch als ein Ergänzungsmodul im Lehramt Primarstufe an der Universität Potsdam angeboten. Eine Folge des schrittweisen Abbaus des Studiengangs, der ursprünglich Kunstlehrende für alle Schulstufen ausgebildet hat. Auf Grund dessen gibt es im Land keine jungen Nachwuchslehrkräfte mehr und das Fach Kunst wird besonders in der Primarstufe zu fast 40% fachfremd unterrichtet. Eine parlamentarische Anfrage der Bündnisgrünen im März hat dies nochmals verdeutlicht. Wie Sie selbst zutreffend formulierten, hat sich der Berlin-Effekt nicht bestätigt. Die Hoffnung, Kunstlehrer-Absolventen der Universität der Künste Berlin in das Brandenburgische zu locken, erfüllte sich nicht, der Wunschgedanke blieb eine Illusion.

 

Für die Ausbildung fachlich fundierter Kunstlehrender stehen im Land Brandenburg keine Mittel zur Verfügung, doch soll Geld für das Gewinnen von Lehrkräften aus anderen Bundesländern bzw. die Qualifizierung von Seiteneinsteigern verwendet werden. Dieses Vorgehen bietet keine tragfähige Lösung der defizitären Situation, da es nicht für eine ausreichende Anzahl kompetenter Kunstlehrender in allen Schulstufen sorgt, wie neben den eindeutigen Zahlen auch meine persönliche Erfahrung bestätigt. Durch meine parallele Tätigkeit als Lehrerin sowie als Fachseminarleiterin am Studienseminar in Potsdam habe ich Einblick in den realen Schulalltag sowie in die Ausbildungssituation. Zu wenige oder nicht fachlich-didaktisch sowie pädagogisch umfassend ausgebildete Lehrkräfte bilden keine Grundlage, um Kinder und junge Menschen an allgemeinbildenden Schulen fachkompetent in den komplexen Fragen der Kunst, der Kunstgeschichte, der Rezeptionsästhetik, der künstlerisch-praktischen Kompetenzen sowie erzieherisch versiert zu unterrichten.

 

Im Brandenburgischen Hochschulgesetz vom 28.4.2014 wird: „[…] die Pflege und Entwicklung der Künste durch Lehre, Forschung, Studium und Weiterbildung […].“ ausdrücklich als Aufgabe formuliert. „[…] Die Struktur- und Entwicklungsplanung soll ein fachlich ausreichendes und regional ausgewogenes Angebot in Forschung und Lehre sicherstellen.“ Wie wir einem Antwortschreiben vom Februar dieses Jahres entnehmen konnten, besteht in Ihrem Haus eine eindeutige Prioritätensetzung hinsichtlich der Ausbildung der sogenannten „Kernfächer“, die dieser Aufgabe nicht gerecht wird.

Zudem ist die angestrebte Ausgewogenheit mit der Entscheidung, den Studiengang des Lehramts Kunst an der Universität Potsdam abzuschaffen, nicht mehr gegeben. Und wie Sie selbst sagten, muss das Regionale gestärkt werden.

 

Gleichzeitig heißt es in §2 des Brandenburgischen Lehrerausbildungsgesetzes vom 18.12.2012, dass alle allgemeinbildenden Fächer der Sekundarstufe I und II im Bundesland selbst ausgebildet werden (Absatz 1) sollen und dass die Ausbildung sowohl das Lehramtsstudium als auch den Vorbereitungsdienst umfasst (Absatz 2). In der jetzigen Situation entspricht die Brandenburgische Landesregierung in Bezug auf das allgemeinbildende Unterrichtsfach Kunst nicht diesem Gesetz!

 

Vor dem Hintergrund dieser Situation fordern wir als Interessenvertretung der Kunstlehrenden die umgehende Installation des Studienganges Kunst mindestens für die Primar-und Sekundarstufe I bzw. analog zur Ausbildung von Musiklehrerinnen und -lehrern das Einrichten einer vergleichbaren Studienmöglichkeit.

 

Wir begrüßen es, umgehend mit Ihnen in einen konstruktiven Austausch zu diesen Forderungen und Fragen zu treten.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Katja Frick

Landtag Brandenburg

6. Wahlperiode

Antwort

der Landesregierung
auf die Kleine Anfrage 1349
der Abgeordneten Marie Luise von Halem der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Drucksache 6/3254

Drucksache 6/3386

Kunstunterricht an Schulen im Land Brandenburg

Wortlaut der Kleinen Anfrage 1349 vom 23.12.2015:

Aus Gesprächen mit Schulen hat sich der Eindruck ergeben, dass Kunstunterricht in Brandenburg im Allgemeinen zu kurz kommt und vielfach gar nicht, zu wenig oder nur fachfremd unterrichtet wird. Es gebe zudem die Tendenz, dass Kunstlehrerinnen und -lehrer aufgrund von Lehrermangel unverhältnismäßig oft andere Schulfächer unterrichten - zulasten des Kunstunterrichtes. Doch Kunst ist ein zentrales Schulfach und integraler Bestandteil brandenburgischer Schulbildung und braucht ebenso wie Mathematik- oder Deutschunterricht ausgebildete Fachlehrerinnen und Fachlehrer.

Ich frage die Landesregierung:

  1. Wieviel Kunstunterricht muss in welchen Jahrgangsstufen laut Lehrplan erteilt werden? Wie viele Unterrichtsstunden für das Fach Kunst fallen dabei derzeit insgesamt an?

  2. Wie schlägt sich die Verteilung von fachgerecht ausgebildeten und fachfremd unterrichtenden Lehrkräften in der Gesamtzahl der von ihnen erteilten Kunst- Stunden pro Woche nieder? (Bitte insgesamt und getrennt nach Schulämtern und Schulform)

  3. Wie viele Schülerinnen und Schüler (in absoluten Zahlen) erhalten in diesem Schuljahr und erhielten im letzten Schuljahr fachfremd erteilten Kunstunterricht?

  4. Gibt es Schulen in Brandenburg, in denen aufgrund von Lehrkräftemangel kein Kunstunterricht erteilt wird? (Bitte aufschlüsseln je nach Schulform für das letzte und das laufende Schuljahr.)

  5. Welche Festlegungen und Auflagen gibt es für fachfremd im Kunstunterricht eingesetzte Lehrkräfte seitens des Fachministeriums?

  1. Wie hoch ist der Bedarf zur Einstellung von neu ausgebildeten Kunstlehrkräften für eine zu 100% fachgerechte Erteilung des Kunstunterrichts an den Schulen bis 2020?

  2. In welcher Fächerkombination haben Kunst-Absolventen nach abgeschlossenem Vorbereitungsdienst gute Chancen für eine Anstellung in den Schuldienst?

  3. Wie viel Absolventen mit dem Studienabschluss in Kunst sind ab dem Schuljahr 2012/13 als Referendare in den Vorbereitungsdienst an Brandenburger Schulen aufgenommen worden?

  4. Wie viel von den Absolventen des Referendariats wurden in 2013/14 und 2014/15 in den Schuldienst des Landes Brandenburg aufgenommen (bitte nach Schulformen und Schulämtern sowie Beschäftigungsumfang angeben)?

Namens der Landesregierung beantwortet der Minister für Bildung, Jugend und Sport die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1:
Wieviel Kunstunterricht muss in welchen Jahrgangsstufen laut Lehrplan erteilt werden? Wie viele Unterrichtsstunden für das Fach Kunst fallen dabei derzeit insgesamt an?

Zu Frage 1:
Nachfolgende Tabelle 1 gibt Auskunft über die Stundenkontingente (Unterrichtsstun- den) für das Fach bzw. den Lernbereich Kunst und Musik in den Jahrgangsstufen 1 bis 13. Die Fächer Kunst und Musik werden in der Primar- und der Sekundarstufe I als gemeinsamer Lernbereich geführt und für beide Fächer wird ein gemeinsames Stundenvolumen angegeben. Kunst und Musik können von den Schulen epochal unterrichtet werden.

Tabelle 1: Stundenkontingente für das Fach Kunst bzw. den Lernbereich Kunst und Musik gemäß Bildungsgangverordnung(en)

 

Die Anzahl der Unterrichtsstunden für das Fach Kunst, die derzeit (d.h. für das lau- fende Schuljahr 2015/2016) insgesamt anfallen, entspricht den Angaben in Tabelle 1.

 

Die Anzahl der Unterrichtsstunden für das Fach Kunst, die derzeit (d.h. für das lau- fende Schuljahr 2015/2016) insgesamt anfallen, entspricht den Angaben in Tabelle 1. 

Frage 2:
Wie schlägt sich die Verteilung von fachgerecht ausgebildeten und fachfremd unterrichtenden Lehrkräften in der Gesamtzahl der von ihnen erteilten Kunst-Stunden pro Woche nieder? (Bitte insgesamt und getrennt nach Schulämtern und Schulform)

Zu Frage 2:
Insgesamt werden über alle Schulformen hinweg 70 % aller Lehrerwochenstunden (LWS) von fachgerecht ausgebildeten Lehrkräften (LK) erteilt.

 

Die folgende Tabelle 2 weist aus, wie viele der insgesamt im Fach Kunst erteilten LWS von Lehrkräften mit einer Ausbildung für dieses Fach im Schuljahr 2014/2015 an den allgemeinbildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft (einschließlich berufliches Gymnasium) erteilt wurden. Die Daten für das Schuljahr 2015/2016 stehen noch nicht zur Verfügung. Die LWS, die an Grundschulen, die mit einer Oberschule oder Gesamtschule zusammengefasst sind, sind bei den Schulformen Oberschule bzw. Gesamtschule enthalten.

 

 

Frage 3:
Wie viele Schülerinnen und Schüler (in absoluten Zahlen) erhalten in diesem Schuljahr und erhielten im letzten Schuljahr fachfremd erteilten Kunstunterricht?

Zu Frage 3:
Die Schuldatenerhebung ist so aufgebaut, dass keine Kopplung zwischen dem Unterricht einer bestimmten Lehrkraft und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an einzelnen Unterrichtseinheiten möglich ist, sodass sich die Lehrerwochenstunden nicht auf alle Schülergruppen aufteilen lassen. Demzufolge kann die Frage nicht beantwortet werden.

Frage 4:
Gibt es Schulen in Brandenburg, in denen aufgrund von Lehrkräftemangel kein Kunstunterricht erteilt wird? (Bitte aufschlüsseln je nach Schulform für das letzte und das laufende Schuljahr.)

Zu Frage 4:
Im Schuljahr 2014/2015 wurde zum Stichtag der Schuldatenerhebung (06.10.2014 für allgemeinbildende Schulen) an allen Grundschulen, Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien in öffentlicher Trägerschaft das Fach Kunst erteilt. Die Daten für das aktuelle Schuljahr liegen noch nicht vor.

Frage 5:
Welche Festlegungen und Auflagen gibt es für fachfremd im Kunstunterricht eingesetzte Lehrkräfte seitens des Fachministeriums?

Zu Frage 5:
Für fachfremd im Kunstunterricht eingesetzte Lehrkräfte gibt es seitens des Ministe- riums für Bildung, Jugend und Sport keine Festlegungen und Auflagen. Um konkret auf die brandenburgische Situation des Unterrichtsfaches Kunst einzugehen, fanden im Jahr 2015 zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport und dem Vorstand des Landesverbandes/BDK-Brandenburg im beiderseitigen Interesse liegende Gespräche statt. Dabei wurden die Entwicklung von Modulen für Qualifizierungsmaßnahmen und zur Zusammenarbeit mit regionalen Kooperationen sowie die Unterstützung der im BUSS-System tätigen Fachberaterin- nen und Fachberater Kunst und die Zusammenarbeit mit den Regionalstellen be- rücksichtigt.

Frage 6:
Wie hoch ist der Bedarf zur Einstellung von neu ausgebildeten Kunstlehrkräften für eine zu 100% fachgerechte Erteilung des Kunstunterrichts an den Schulen bis 2020?

Zu Frage 6:
Der Bedarf zur vollständigen Abdeckung eines fachgerechten Kunstunterrichts kann nicht eindeutig quantifiziert werden. Da jede Lehrkraft in der Regel mindestens zwei Fächer unterrichtet, bestehen erhebliche Spielräume im Unterrichtseinsatz der Fächer. Es kommt in jedem Einzelfall auf die Fächerkombination und den Bedarf im zweiten Fach an. Durch Umverteilung zwischen den Fächern könnten die Bedarfe abgedeckt werden. Die beschränkten Einsatzmöglichkeiten an Kleinen Schulen und regionale Disparitäten erschweren eine optimale Verteilung der Fächer.

Frage 7:
In welcher Fächerkombination haben Kunst-Absolventen nach abgeschlossenem Vorbereitungsdienst gute Chancen für eine Anstellung in den Schuldienst?

Zu Frage 7:
Absolventinnen und Absolventen mit einer Ausbildung für das Fach Kunst sind besonders dann nachgefragt, wenn auch für das zweite Fach ein hoher Bedarf besteht. Entsprechend der Zahl der vorgegebenen Unterrichtsstunden pro Fach in der Stundentafel besteht generell ein höherer Bedarf an Lehrkräften mit einer Ausbildung für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch oder Sport. Auch die Kombination mit einem „Mangelfach“ wie Musik oder für die MINT-Fächer verspricht gute Chancen. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Bedarfe regional und an den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich sind, sodass auch durchaus Absolventinnen und Absolventen mit anderen Fächern gute Chancen für eine Einstellung in den Schuldienst haben können.

Frage 8:
Wie viel Absolventinnen und Absolventen mit dem Studienabschluss in Kunst sind ab dem Schuljahr 2012/13 als Referendare in den Vorbereitungsdienst an Brandenburger Schulen aufgenommen worden?

Zu Frage 8:
Seit dem Schuljahr 2012/2013 sind insgesamt 96 Absolventinnen und Absolventen mit dem Studienabschluss in Kunst als Referendarinnen und Referendare in den Vorbereitungsdienst (VD) an brandenburgischen Schulen aufgenommen worden. Diese verteilen sich wie folgt:

 

 

Frage 9:
Wie viel von den Absolventinnen und Absolventen des Referendariats wurden in 2013/14 und 2014/15 in den Schuldienst des Landes Brandenburg aufgenommen (bitte nach Schulformen und Schulämtern sowie Beschäftigungsumfang angeben)?

 

Zu Frage 9:
Die nachfolgende Tabelle 4 gibt Auskunft über die Anzahl an Absolventinnen und Absolventen des brandenburgischen Referendariats, die in den Schuljahren 2013/2014 und 2014/2015 in den Schuldienst des Landes Brandenburg eingestellt wurden. Als Einstellungen zählen dabei unbefristete Neueinstellungen und Entfris- tungen von zunächst befristet eingestellten Personen.

 

Am 1. Februar 2016 erschien ein besorgniserregender Artikel von Yvonne Jennerjahn und Anja Sokolow in den "Potsdamer Neusten Nachrichten":

"Kunst ohne Lehrer

Fast jede dritte Unterrichtsstunde in Kunst findet ohne qualifizierten Lehrer statt...." weiterlesen

 

 

Eine erste Stellungnahme des Vorstandes des BDK-Brandenburg  

Reaktion zur Anhörfassung des neuen Rahmenplanes vom 28.11.2014

Dieser Rahmenlehrplan ist in unseren Augen ein wirklicher Rückschritt gegenüber den aktuellen Lehrplänen für die Grundschule und die Sekundarstufe I. In den Textteilen A+B wird ein extrem hoher Anspruch an die Institution Schule gestellt, ohne Aussagen darüber zu treffen, inwieweit personale, räumliche und materielle Ressourcen geschaffen werden, um dieses Utopia umzusetzen. Der Teil C letztlich verabschiedet sich von allen Fragen der Bildkompetenz und von wissenschaftspropädeutischen Ansätzen. Er gestaltet sich als ein Sammelsurium von beliebigen Inhalten, die wahlweise in allen Doppeljahrgangsstufen umsetzbar wären und ordnet scheinbare Konkretisierungen dazu, die die jeweilige Jahrgangszuordnung nicht zwingend erkennen lassen. Als wenig hilfreich sind die Niveaustufen zu den jeweiligen Kompetenzen anzusehen. Die formulierten Standards bleiben erschreckend allgemein und inhaltsleer. Viele Aussagen z.B. zur Stufe H könnten genauso gut in die anderen Stufen eingeordnet werden. Sprialcurriculare Ansätze sind nicht erkennbar.

Warum ist die Kompetenz der Rezeption (gezielte Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Kunstwerken) nicht mehr explizit aufgeführt? Stattdessen dominiert der Begriff der ästhetischen und künstlerischen Handlungskompetenz. Aber was genau soll unter ästhetischer Handlungskompetenz zu verstehen sein? Auf welchen Wegen sollen Schülerinnen und Schüler diese erreichen?

Verbindliches Wissen, Faktisches, konkrete Sachverhalte aus der Kunstgeschichte oder der Gegenwartskunst in Bezug zu  den entwicklungspsychologischen Besonderheiten einer Doppeljahrgangsstufe, der Erwerb von Fachsprache; wo findet sich dies im Entwurfstext? Auf welcher Basis entwickeln Schülerinnen und Schüler komplexe Einsichten, wo wird dafür Wissen vermittelt? Allein die Befähigung: „…schöpferische Potentiale wahrzunehmen, wertzuschätzen einzusetzen und weiterzuentwickeln… .“ kann nicht ausschließliche Zielstellung von Kunstunterricht sein.

Kunstunterricht, der auf diese Weise die Besonderheiten seines Faches einbüßt, schafft sich selbst ab. Auf der Grundlage der hier dargelegten Kritikpunkte an der Qualität des Rahmenplanentwurfs, kann man sogar so weit gehen, zu behaupten, dass dies das beabsichtigte Ziel dieser Fassung sei. Was für eine Lehrerpersönlichkeit braucht man, um diese zusammengestellten Inhalte und "Konkretisierungen" umzusetzen? Der Verzicht auf Fachprägendes und Verbindliches legt den Schluss nahe, dass hier versucht wird, das Profil des Faches soweit zu reduzieren, dass in Zukunft Jeder in der Schule diese Stunden geben könnte.

Aus unserer Sicht sollte es u.a. unter folgenden Aspekten unbedingt zu einer Überarbeitung kommen:

Konkretere Angaben zu den Fragen der Leistungsermittlung und –bewertung. Der zur Zeit gültige Grundschulplan z.B. ist dort sehr gut handhabbar.

Greifbarere Angaben zum Umgang mit der Bildenden Kunst bzw. der Kunstgeschichte.

Übernahme der Didaktischen Scheibe.

Verankerung der Forderung des Lernens an authentischen Orten (Museen, Galerien, Erinnerungsorte etc.)

Wir werden Schulwechsel innerhalb eines Schuljahres gehandhabt, wenn alle Inhalte, Verfahren, Techniken dieser extremen Offenheit, um nicht zu sagen Beliebigkeit, unterliegen?

Wir können die Kolleginnen und Kollegen nur ermuntern, sich mit diesem neuen Konstrukt auseinanderzusetzen und die Möglichkeit der Rückmeldung im Netz zu nutzen.

 

Der Vorstand des BDK-Brandenburg

Katja Frick (Vorsitzende)

 
 
 

Endgültiges Aus für die Kunstpädagogik im Land Brandenburg?

Die Universität Potsdam verzichtet auf die Ausbildung im Lehramt für Kunstpädagogik. Weder für die Grundschule, noch für die Sekundarstufe I und II werden noch Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer ausgebildet.
Bereits 2011 hatte man die Ausbildung auf das Grundschullehramt beschränkt. Nun gibt es auch diesen Studiengang nicht mehr.

Nach der Unterzeichnung des neuen Hochschulvertrages ist dies für die nächsten fünf Jahre festgeschrieben.
Die Universität Potsdam war die einzige Einrichtung im Land Brandenburg. Ein Großteil aller Studierenden kamen aus Berlin.

Mit Verbitterung und Empörung muss diese fatale schulpolitische Entscheidung seitens aller an künstlerischer und ästhetischer Bildung Interessierten wahrgenommen werden.

Das Besetzungsverfahren für eine kunstpädagogische Professur wurde nach einer Umorientierung der auf Platz eins gesetzten Bewerberin nicht ordnungsgemäß zu Ende geführt, sondern mündete in der Streichung einer solchen Professur zu Gunsten anderer Begehrlichkeiten innerhalb der Universität.

Die beiden im Land Brandenburg zuständigen Ministerien teilen in einem von beiden Ministerinnen unterzeichneten Schreiben an den BDK-Brandenburg mit, dass sie die Sorgen des BDK teilen und gemeinsam Wege prüfen würden.
Die Abschaffung der Ausbildung für unser Fach sei jedoch durch die Novelle des Brandenburgischen Lehrerbildungsgesetzes vom 01.06.2013 „ und der daraus folgenden Neuordnung der Lehrämter notwendig geworden“. Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar. An besagter Stelle finden sich zu Studienfächern keine Aussagen.

Es handelt sich hier um eine mutwillige Entfernung des auch im Fächerkanon der Schule verankerten Faches Kunst aus dem Studienangebot.

Im neuen Studiengang Primarstufe der Universität sind Deutsch, Sachunterricht, Mathematik, Musik und Sport als Fach 2 wählbar, Englisch trägt den Verweis: derzeit kein Studienangebot. Und Kunst? Es wird gar nicht mehr erwähnt. 

                                                                                WG

 

 
 
 

 

 

 
 
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