„Wir brauchen ausreichend Studierende, denn die Demografie macht nicht Halt und der Berlin-Effekt allein kann auch nicht tragen.“ Mittwoch, 9.3.2016, S. 21 PNN

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Martina Münch,

 

erlauben Sie mir, mit Ihren Worten diesen Brief zu beginnen. Sie sprechen mir und unserem Fachverband der Kunstpädagogen aus dem Herzen, thematisieren Sie doch einen Missstand, der dringend behoben werden muss: Die mangelhafte Situation der Ausbildung von Kunstlehrenden im Land Brandenburg.

 

Das Fach Kunst wird derzeit nur noch als ein Ergänzungsmodul im Lehramt Primarstufe an der Universität Potsdam angeboten. Eine Folge des schrittweisen Abbaus des Studiengangs, der ursprünglich Kunstlehrende für alle Schulstufen ausgebildet hat. Auf Grund dessen gibt es im Land keine jungen Nachwuchslehrkräfte mehr und das Fach Kunst wird besonders in der Primarstufe zu fast 40% fachfremd unterrichtet. Eine parlamentarische Anfrage der Bündnisgrünen im März hat dies nochmals verdeutlicht. Wie Sie selbst zutreffend formulierten, hat sich der Berlin-Effekt nicht bestätigt. Die Hoffnung, Kunstlehrer-Absolventen der Universität der Künste Berlin in das Brandenburgische zu locken, erfüllte sich nicht, der Wunschgedanke blieb eine Illusion.

 

Für die Ausbildung fachlich fundierter Kunstlehrender stehen im Land Brandenburg keine Mittel zur Verfügung, doch soll Geld für das Gewinnen von Lehrkräften aus anderen Bundesländern bzw. die Qualifizierung von Seiteneinsteigern verwendet werden. Dieses Vorgehen bietet keine tragfähige Lösung der defizitären Situation, da es nicht für eine ausreichende Anzahl kompetenter Kunstlehrender in allen Schulstufen sorgt, wie neben den eindeutigen Zahlen auch meine persönliche Erfahrung bestätigt. Durch meine parallele Tätigkeit als Lehrerin sowie als Fachseminarleiterin am Studienseminar in Potsdam habe ich Einblick in den realen Schulalltag sowie in die Ausbildungssituation. Zu wenige oder nicht fachlich-didaktisch sowie pädagogisch umfassend ausgebildete Lehrkräfte bilden keine Grundlage, um Kinder und junge Menschen an allgemeinbildenden Schulen fachkompetent in den komplexen Fragen der Kunst, der Kunstgeschichte, der Rezeptionsästhetik, der künstlerisch-praktischen Kompetenzen sowie erzieherisch versiert zu unterrichten.

 

Im Brandenburgischen Hochschulgesetz vom 28.4.2014 wird: „[…] die Pflege und Entwicklung der Künste durch Lehre, Forschung, Studium und Weiterbildung […].“ ausdrücklich als Aufgabe formuliert. „[…] Die Struktur- und Entwicklungsplanung soll ein fachlich ausreichendes und regional ausgewogenes Angebot in Forschung und Lehre sicherstellen.“ Wie wir einem Antwortschreiben vom Februar dieses Jahres entnehmen konnten, besteht in Ihrem Haus eine eindeutige Prioritätensetzung hinsichtlich der Ausbildung der sogenannten „Kernfächer“, die dieser Aufgabe nicht gerecht wird.

Zudem ist die angestrebte Ausgewogenheit mit der Entscheidung, den Studiengang des Lehramts Kunst an der Universität Potsdam abzuschaffen, nicht mehr gegeben. Und wie Sie selbst sagten, muss das Regionale gestärkt werden.

 

Gleichzeitig heißt es in §2 des Brandenburgischen Lehrerausbildungsgesetzes vom 18.12.2012, dass alle allgemeinbildenden Fächer der Sekundarstufe I und II im Bundesland selbst ausgebildet werden (Absatz 1) sollen und dass die Ausbildung sowohl das Lehramtsstudium als auch den Vorbereitungsdienst umfasst (Absatz 2). In der jetzigen Situation entspricht die Brandenburgische Landesregierung in Bezug auf das allgemeinbildende Unterrichtsfach Kunst nicht diesem Gesetz!

 

Vor dem Hintergrund dieser Situation fordern wir als Interessenvertretung der Kunstlehrenden die umgehende Installation des Studienganges Kunst mindestens für die Primar-und Sekundarstufe I bzw. analog zur Ausbildung von Musiklehrerinnen und -lehrern das Einrichten einer vergleichbaren Studienmöglichkeit.

 

Wir begrüßen es, umgehend mit Ihnen in einen konstruktiven Austausch zu diesen Forderungen und Fragen zu treten.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Katja Frick

 

 

 

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